Konrad Weiß: Vorbemerkung des Herausgebers

Vorbemerkung des Herausgebers

Aus dem Wunsch heraus entstanden, wenigstens einige Werke von Konrad Weiß, von dem zur Zeit, soweit ich sehe, nur die Anthologie „Das unstillbare Herz“ im Buchhandel erhältlich ist, öffentlich zugänglich zu machen, hat sich die Herausgabe der Dichtungen und Schriften von Konrad Weiß inzwischen zu einem Hauptbestandteil der Seiten der Dichtung entwickelt. Tatsächlich umfasst diese Rubrik mittlerweise fast alle zu seinen Lebzeiten in Buchform erschienenen Werke von Konrad Weiß.

Daß Konrad Weiß so wenig präsent ist, liegt vielleicht zum Teil an den immensen Schwierigkeiten, die sich dem Verständnis entgegenstellen, zum Teil aber auch daran, daß seine Sprache tief beeinflusst ist von der Sprache der Bibel und seine Vorstellungswelt getränkt von christlich-katholischen Bildern und Inhalten, diese aber dazu benutzt werden, in einer einzigartigen Mischung von Anschaulichem und Abstraktem, dabei mit stupender dichterischer Meisterschaft, sein sehr persönliches Erleben und Erleiden in sprachliche Formen zu bringen. Die Unvollkommenheit dieser Sprache, das bruchstückhafte, abrupte, trümmerhafte (dies ein von Weiß selbst häufig benutztes Wort) sind dabei kein Zeichen von künstlerischem Unvermögen, sondern Ausdruck der Weißschen Sprachskepsis, in seinen eigenen Worten des Glaubens, „daß das Wort, durch das alles gesagt werden könne, selber nicht zu sagen möglich sei, und dem Menschen nichts übrig bliebe, als durch Dinge und Bilder zu sprechen“. Friedhelm Kemp (in seinem Nachwort zu der Suhrkamp-Ausgabe von Die Löwin) sprach sicher zu Recht von der Geburt einer Sprache.

In dieser verstörend ungewöhnlichen Sprache und Bildwelt aber geht es um Themen, die jeden fühlenden Menschen bewegen: den Konflikt zwischen Geist und Sinnlichkeit, das Nicht-zum-Leben-kommen, das Leiden am Leben, die Sehnsucht nach Erlösung, die Suche nach Sinn. Dies aber nicht nur mit den Mitteln des Intellekts, sondern als geistige „Schau“, mittels Intuition, Einfühlen, Spüren, Sich-Ergreifen-Lassen.

Als Vorlage für die hier veröffentlichten Digitalisate habe ich in der Regel die Ausgabe letzter Hand eingescannt und mittels Texterkennung daraus Textdateien erzeugt. Beim Korrektur lesen habe ich den Text mit anderen mir zur Verfügung stehenden Ausgaben verglichen, falls vorhanden. Da aber besonders bei Büchern in Frakturschrift keine Texterkennungs-Software fehlerfreie Ergebnisse liefert, und Korrektur lesen ein sehr mühsames Geschäft ist, kann ich nicht garantieren, daß nicht doch hier und da ein Schreibfehler stehengeblieben ist. Jedenfalls habe ich beim Wiederlesen, wenn auch wenige, immer mal wieder den einen oder anderen entdeckt und natürlich korrigiert. Falls Ihnen als Leser Stellen auffallen, an denen der Text fehlerhaft ist oder sein könnte, bin ich für einen Hinweis dankbar.

 

Wilfried Käding, im März und Juli 2016