Seiten der Dichtung
Gedichte über Blumen

DIE ROSEN

Als du frühmorgens gingst

Und an der Sonne hingst,

Pflücktest du dir,

Die, von ihr angeglüht,

Still vor ihr aufgeblüht

Und nun den Duft versprüht,

Rosen zur Zier.

 

Hältst sie noch abends fest?

Schmeichelte dir der West

Längst sie nicht ab?

Siehst ja, ihr Leben schwand!

Wo ist der Farbenbrand?

Doch nur in deiner Hand

Sind sie im Grab.

 

Gib sie den Winden preis,

Daß sie mit ihnen leis

Düngen den Strauch.

Fühlts nicht sogleich der Zweig,

Fühlts doch die Wurzel gleich,

Und ist nur diese reich,

Wird der es auch!

Christian Friedrich Hebbel

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